Fahrbericht Cadillac
BLS 1.9 D "Elegance"
mit 150 PS Der erste Caddy mit Ölbrenner
Komfortable
Mittelklasse-Limousine auf der Plattform
von Opel Vectra und Saab 9-3
Ami mit
europäischen Autogenen
1.9 Dieselmotor
ist sparsam und erfüllt Euro 4 Abgasnorm
Voll
auf der Höhe: BLS wiederlegt Vorurteile
gegenüber US-Autos
BLS ist der
erste Cadillac, der in Europa gebaut wird
Jetzt soll ein weiteres Derivat der Marke Cadillac
aus der Nische helfen. Die Rede ist vom BLS,
dessen Deutschland-Verkauf im Frühjahr 2006
begann. Von wegen Power-Ami mit acht Zylindern
und bulligem Aufpuffwummern. Wer Cadillac hört,
denkt an acht Zylinder, Big Block und Hubraum
ohne Ende. Doch die Amerikaner wollen künftig
auch auf dem europäischen Markt mitreden. Der
BLS, das Kürzel steht für B-Segment Luxury Sedan.
Anzeige:
Der Cadillac BLS
wurde in Konzeption, Technik und Ausstattung
speziell für Europa und andere Märkte außerhalb
der USA entwickelt und wird nun bei der GM-Tochter
Saab in Schweden gebaut. So entstand auf Basis
der Epsilon-Plattform des Opel Vectra unter
anderem auch der Saab 9-3. Mit der Produktion
des BLS soll das defizitäre Saab-Werk in Trollhättan
besser ausgelastet werden.
Gleiche Plattform wie Opel Vectra und Saab
9-3
Dass der Cadillac BLS eigentlich kein US-Boy,
sondern ein waschechter Schwede ist für den
Kunden nur von Vorteil. Denn der Charme dieser
Marke ist geblieben. Optische Ähnlichkeiten
zum Saab 9-3 lassen sich im Aussendesign beim
besten Willen nicht feststellen. Dafür gibt
es kantiges und kraftvolles US-Styling. Diese
Form der Eckigkeit in Front- und Heckpartie
hat durchaus Wiedererkennungswert. Familienähnlichkeiten
zu den größeren Brüdermodellen CTS und STS sind
durchaus erwünscht und heben ihn angenehm aus
dem Autoallerlei seiner direkten Mitwettbewerber
ab. Dies sind v.a. der VW Passat, BMW 3er, Audi
A4 sowie die Mercedes C-Klasse aber auch seine
Konzernbrüder Opel Vectra und Saab 9-3.
Cadillac und
Diesel
Statt der erwarteten Power-Aggregate mit acht
Zylindern macht der kleine Caddy ganz auf Mittelklasse
auf gehobenem Golf-Preisniveau. Ein Saab 9-3
im USA-Designerdress. Es gibt ihn mit einen
150 PS starken GM-Diesel und einem kraftvollen
2,6-V6-Aggregat mit 255 PS. Getestet haben wir
den Euro-Ami in der für US-Autos ungewöhnlichen
Dieselvariante und sind - das gleich vorweg
- höchst angenehm überrascht worden.
Innenraum
Im Innenraum
geht es hingegen sehr Europäisch zu. Der Innenraum
des Cadillacs ist gefällig und klassisch gestaltet.
Doch alles wirkt wertig und übersichtlich. Es
herrscht eine gewissse Eleganz und ein gutes
Raumgefühl. Abgesehen von der äußeren Hülle
steckt viel vom Saab 9.3 im BLS. Auch die Platzverhältnisse
hinten - okay, aber nicht üppig - erinnern an
den schwedischen Bruder. Bis auf die eigenständige
Mittelkonsole wurden Türverkleidungen, Instrumente,
das Lenkrad, ja sogar so typische Saab-Details
wie der integrierte Handbremshebel übernommen.
Ebenso die sehr guten, weiten Verstellwege von
Lenkrad und Sitz und die daraus resultierende,
gute Sitzposition. Die Lederausstattung verleihen
dem von uns gefahrenen Testwagen ein echtes
Wohlfühl-Ambiente. Die komplette Heizungs- und
Lüftungsregelung stammt gar vom frisch renovierten
Saab 9-5.
Straffes Fahrwerk
Am deutlichsten sind die europäischen Gene beim
Fahrverhalten des kleinen Amerikaners zu erkennen.
Das Fahrwerk ist nicht typisch amerikanisch
weich, sondern wurde straff ausgelegt. Unebenheiten
werden zwar nicht ganz weggebügelt aber gut
geschluckt. Obwohl der BLS ein Fronttriebler
ist, sind die Antriebseinflüsse des 150PS-Diesels
am Lenkrad angenehm gering. Die Lenkung dürfte
eine Nuance direkter sein und kann durch ihren
mäßigen Geradeauslauf nicht vollständig überzeugen.
Sie gibt nur einen mittelprächtigen Kontakt
zur Straße. Hier muss Cadillac noch nachbessern.
In schnellen Kurven neigt der kopflastige Cadillac
(Gewichtsverteilung 60:40) analog dem Saab 9-3
zu deutlichem Untersteuern und baut damit überschüssiges
Kurventempo sicher über die Vorderräder schiebend
ab. Ein Fahrstabilitätsprogramm ist serienmäßig
an Bord.
Motor
Einziger Diesel im Programm ist ein 1,9-Liter-Vierzylinder
mit Common-Rail-Direkteinspritzung und serienmäßigem
Dieselpartikelfilter und ab 28.450 Euro zu haben
ist. Der Motor ist ein guter Bekannter und sorgt
auch im Opel Vectra oder Saab 9-3 für flotte
Fahrwerte. Der Turbodiesel liefert ein kräftiges
Drehmoment von 320 Newtonmetern, das von 2.000
bis 2.750 Touren anliegt. Damit ist der 150-PS-Turbo
kultiviert und durchzugsstark. Nach dem Starten
ist vom Common-Rail-Selbstzünder nicht viel
zu vernehmen. Die Schalldämmung des Motors ist
sehr gelungen. Das Sechsgang-Schaltgetriebe
(Automatik ab 1900 Euro Aufpreis) lässt sich
ohne Kraftaufwand und auf kurzen Wegen schalten.
Dazu passend-leicht ist auch die Kupplungsbetätigung
und die Lenkung. Nach einer leichten Anfahrschwäche
sind wir auch mit dem Durchzugsvermögen des
Diesels höchst zufrieden. Innerhalb von 9,5
Sekunden wird Tempo 100 km/h erreicht und die
Höchstgeschwindigkeit beträgt 210 km/h. Noch
zufriedener macht der Verbrauch dieses sparsamen
Aggregats. Ein Testverbrauch von im Schnitt
nur 7,5 Liter Diesel auf 100 km ist für eine
Mitteklklasselimousine dieser Größenordnung
ein sehr guter Wert. Früher stand soetwas bei
Cadillac eher für den Hubraum denn den Verbrauch.
Der 1,9-Liter-Vierzylinder Turbodiesel liefert
ein kräftiges Drehmoment von 320 Newtonmetern,
das von 2.000 bis 2.750 Touren anliegt.
Üppige Ausstattung
bereits in der Basis
Bei der Ausstattung punktet der Euro-Amerikaner:
Satten Luxus bietet der Cadillac bereits in
der üppigen Basisausstattung. So gehören unter
anderem Front- und seitliche Vorhangairbags,
Klimaanlage, Tempomat, Leichtmetallräder, Bordcomputer,
Lederlenkrad mit integrierten Bedienelementen
und ein Audio-System mit sieben Lautsprechern
zur Serienausstattung der Basis "Business".
Wer die von uns getestete Ausstattung "Elegance"
ordert, erhält zusätzlich Regensensor, achtfach
elektrisch verstellbare Vordersitze, Zweizonen-Klimaanlage
und 17-Zoll-Leichtmetallfelgen. Die Top-Version
"Sport Luxury" umfasst ein Sportfahrwerk,
18-Zoll-Räder, Xenon-Scheinwerfer sowie beheizte
Ledersitze mit Memory-Funktion. Das DVD-Navigationssys-tem
mit Touchscreen-Bedienung kostet allerdings
2190 Euro.
Gelungene
Alternative für Individualisten
Fazit: Cadillac interpretiert den BLS als
amerikanische Alternative zu den deutschen Premien-Fahrzeugen
im Segment der Mittelklassewagen. Der Hoffnungsträger
BLS dürfte mit Abstand der agilste Cadillac
im Angebot der Amerikaner sein. Die Bedienung
und auch die Verarbeitungsqualität des BLS überzeugen.
Da er auf der Vectra/Saab 9-3-Plattform basiert
macht ihn das frei von gravierenden Schwächen.
Kurzum: Wem die Optik gefällt, kann also bedenkenlos
zugreifen. Und wer eher auf Kombi denn auf Limousine
steht für den lohnt es sich noch etwas zu warten.
Cadillac wird zum Genfer Auto Salon 2007 eine
Kombiversion des BLS präsentieren. Riesengroß
und tonnenschwer war früher ein Cadillac. Das
hat sich geändert. Die zu GM gehörende Marke
beweist mit dem BLS, dass sie auch Autos für
den europäischen Markt bauen kann und - dies
erstaunt noch mehr - sogar mit Dieselmotor.
Der Diesel ist aus unserer Sicht grundsätzlich
eine gute Wahl und das Fahrzeug damit ausreichend
motorisiert.