Nie
gab es in der Kompaktklasse so viele
ausgefeilte Wettbewerber wie heute.
Jetzt lässt Ford die Muskeln spielen
und schickt den neuen Focus ins
Gefecht. Mit einem kräftigen 2-Liter
Diesel im Bug tritt er insbesondere
gegen die Selbstzünder-Konkurrenz
aus Wolfsburg und Rüsselheim an.
Die zweite Focus-Generation tritt
dabei ein schweres Erbe an - fand
doch der Vorgänger über vier Millionen
Käufer -und trifft zudem auf gut
gerüstete, erst jüngst erneuerte
Wettbewerber.
Im Gegensatz zur Konkurrenz - der
Astra Caravan kam ein halbes Jahr
nach der Limousine und beim Golf
warteten viele über einem Jahr auf
die Hochdachvariante "Golf
Plus"- bringt Ford beim Focus
die Kombiversion zeitgleich zusammen
mit der klassischen Limousine auf
den Markt.
Die
neue Ford Focus Limousine liegt
optisch ganz auf einer Linie mit
den drei- und fünftürigen Versionen
Die weit aufschwingende Heckklappe
ermöglicht ein leichtes Be- und
Entladen. Der Kofferraum schluckt
526 Liter. Das Platzangebot vorne
und im Fond ist gut. Ärgerlich:
Die hinteren Kopfstützen im Focus
rutschen immer wieder herunter.

Das
Fahrverhalten der Limousine lässt
sich als agil bezeichnen. Die Lenkung
ist überaus präzise und ein wichtiger
Bestandteil des Focus-Spaßfaktors.
Die Feder-Dämpfer-Abstimmung ist
straff und gleichermaßen komfortabel.
Auf schnell gefahrenen Landstraßenkursen
spielt der Kölner Fronttriebler
seine Stärken aus.
Qualitativ hat der neue Kölner klar
aufgeholt. Die im Innenraum verarbeiteten
Materialien wirken griffsympathischer
als beim Vorgänger. Die Karosserie
ist ordentlich verarbeitet, solide
und steif. Die Klappergeräusche
im Innenraum des Vorgängers sind
beseitigt worden, der Neue glänzt
durch innere Ruhe.
Das nunmehr konventioneller, aber
auch stilsicherer gestaltete Cockpit
macht einen wertigen Eindruck. Den
Festungscharakter des tadellosen
Golf-Cockpits erreicht der Ford
indes nicht.

Prima:
Beim Focus lässt sich neben der
asymmetrisch geteilten, umlegbaren
Rücksitzlehne auch die Sitzfläche
vorklappen. Der Gepäckraum des neuen
Modells ist bewusst so gestaltet,
dass er nicht nur ein überdurchschnittlich
großzügiges Stauvolumen bietet,
sondern sich im täglichen Gebrauch
auch besonders einfach nutzen lässt.
So wartet das Gepäckabteil bereits
in Grundkonfiguration mit einem
souveränen Volumen von 526 Liter
auf und ist in der Lage, Gegenstände
von bis zu 1.058 mm Länge aufzunehmen
-im Vergleich zum Vorgängermodell
ein Gewinn von 54 mm. Der Abstand
von 1.048 mm zwischen den Radhäusern
erleichtert das Verstauen von Golftaschen
ebenso wie das Beladen mit zwei
großen Hartschalen-Koffern. Speziell
konstruierte, besonders Platz sparende
Scharniere verhindern zudem, dass
das Gepäck beim Schließen der Heckklappe
beschädigt wird. Ein zusätzlicher
Griff auf der Innenseite des Gepäckraumdeckels
erleichtert das Schließen.
Werden
die im Verhältnis 40:60 geteilt
umklappbaren Rücksitzlehnen auf
"flach" gestellt, verlängert
sich die Ladelänge des neuen Ford
Focus Viertürers sogar auf bis zu
1.659 mm. Damit übertrifft er seinen
Vorgänger um 180 mm.
Tadeloses Fahrverhalten
Der Focus zeigt sich auch in Extremsituationen
äußerst vorbildlich und fahrsicher.
Die Kurvengeschwindigkeiten sind
jenseits der Familientauglichkeit.
Das serienmäßige Sechsganggetriebe
und die Leistungsreserven versprechen
entspanntes Chauffieren.
Plötzliche Lastwechsel in schnell
durchfahrenen Kurven sind völlig
unkritisch. Lenkkorrekturen sind
aufgrund ESP somit kaum nötig. Die
Bremsen packen kräftig zu und passen
zur kompletten Sicherheitshausstattung
mit ABS, ESP, Front-, Seiten- und
Kopfairbags. Im geprüften Focus
störten bei schneller Fahrt allerdings
leichte Windgeräusche aus dem Bereich
der Frontscheibe.

Sicherheit
Intelligent
Protection System (IPS) mit zweistufig
auslösenden Frontairbags auf Fahrer-
und Beifahrerseite und Sensorsystem
für die Erkennung der Aufprallschwere
sowie Seiten-Airbags auf Fahrer-
und Beifahrerseite. Kopf-Schulterairbags
vorn und hinten. Serienmäßig elektronisch
geregeltes Vierkanal-ABS mit elektronischer
Bremskraftverteilung (EBD), Antriebsschlupf-Regelung
(ASR), Sicherheits-Bremsassistent
(EBA) sowie Elektronisches Stabilitätsprogramm
(ESP) serienmäßig, Seitenaufprallschutz,
höhenverstellbare Sicherheitsgurte
vorn, Sicherheitsgurtstraffer und
-gurtkraftbegrenzer vorn, Sicherheitsschalter
für die automatische Unterbrechung
der Benzinzufuhr, dritte Bremsleuchte,
Lenkrad in Höhe und Reichweite verstellbar,
Park-Pilot-System ab Trend auf Wunsch.
Motoren
Im neuen Ford Focus kommen vorerst
mit vier Benzin- und zwei Dieselmotoren
zum Einsatz: vom bekannten 1.4-Liter
Duratec mit 80 PS und 124 Nm bis
hin zum 2.0-Liter Duratec mit 145
PS und 185 Nm. Neu ist im Focus
der 1.6 Duractec Ti-VCT (115 PS/155
Nm) mit variablen Ventilsteuerzeiten
für reduzierten Verbrauch. Außer
dem neuen Motor komplettieren die
beiden Turbodiesel 1.6 Duratorq
(109 PS/240 Nm) und 2.0 Duratorq
(136 PS/320 Nm) die Motorenpalette.
Sie erfüllen nur mit dem optionalen
Partikelfilter die Euro-4-Norm.
Der Filter zur Erfüllung von Euro
4 kostet 600 Euro Aufpreis.
Wir fuhren die neue 4-türige Limousine
mit dem 2-Liter Diesel-Aggregat.
Der neue von Ford und PSA (Peugeot/Citroën)
gemeinsam entwickelte 2,0-Liter-Common-Rail-Diesel
2.0 Duratorq TDCi überzeugt. Nahezu
jeder dritte Focus Käufer entscheidet
sich für einen Diesel.
Der Duratorq TCDi genannte Vierzylinder
arbeitet mit einer Common Rail-Einspritzung
von Delphi, hat 2 Liter Hubraum
und leistet 136 PS. Das maximale
Drehmoment von 320 Newtonmetern
liegt bei 2.000 Umdrehungen pro
Minute an.Der
Graugussmotor kommt mit einer oben
liegenden Nockenwelle und zwei Ventilen
pro Zylinder aus. Hohe Laufruhe
soll das elektronische Motormanagement
mit Hilfe einer Vielzahl von Sensoren
gewährleisten.Der
TCDi trägt eine Sonde im Motorblock,
die ähnlich einem Klopfsensor bei
Benzinmotoren sich anbahnende Geräusche
meldet. Die Elektronik verändert
dann die Einspritzwerte. Das klassische
Nageln soll mit dem neuen Aggregat
der Vergangenheit angehören.
Zudem ist das Haupteinsatzgebiet
der Kompakten längst nicht mehr
der Kurzstreckenverkehr. Ausgezeichnetes
Sprintvermögen und Spitzen-Tempi
jenseits der 200-km/h-Marke befähigen
den 2.0 TDCi-Focus zu mehr als dem
bloßen Mitschwimmen auf der Autobahn.
Sehr harmonisch entfaltet der Motor
seine Kraft über das gesamte Drehzahlband
und liefert sehr gute Beschleunigungs-
und Zwischenspurtwerte.

Für sich genommen bietet der 136
PS leistende Selbstzünder ein ordentliches
Spurtvermögen. Es könnte jedoch
kraftvoller sein, wäre sein Sechsgang-Getriebe
kürzer übersetzt. Fleißige Schaltarbeit
ist daher vonnöten. Lob verdient
insbsondere der bis auf die Kaltstartphase
kultivierte Motorlauf.