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VW Passat 2005 (B6)
Angetestet: Erste Ausfahrt mit dem neuen Passat

   
  • Verwandtschaft zum großen Bruder Phaeton unverkennbar
  • Hochwertige Anmutung des Innenraums
  • Fülle von Innovationen
  • Design und neues Markengesicht von Murat Günak



Völlig neue Optik


Dieser Tage löst VW die seit 1996 gebaute Passat-Generation ab und bringt einen komplett neuen Passat. Hat die sechste Generation des Passat (B6) das Zeug an die Erfolge der Vorgänger anzuknüpfen!? Vor 32 Jahren - noch vor dem Golf begann die steile Karriere des Passat - liefen die ersten Mittelklässler - in Emden vom Band. Seine Käuferschaft rekrutierte er vor allem in Deutschland, Italien, Frankreich und Großbritannien. Jede seiner bislang fünf Modellgenerationen hatte ganz offensichtlich das Zeug dazu, bei Mittelklasse-Interessenten Gefühl und Vernunft gleichermaßen anzusprechen. Praktisch und vergleichsweise günstig - so haben bislang 13 Millionen Käufer den VW Passat kennengelernt. Trotz Ölkrise, die seine Geburt begleitete, eroberte er auf Anhieb Platz eins der deutschen Zulassungsstatistik.


Wir hatten bereits Gelegenheit die neue Passat-Limousine in und um die katalonische Metropole Barcelona probezufahren. Nachfolgend unsere ersten Fahreindrücke und Impressionen.

Größer, komfortabler, feiner

Mit geballter Technik und einem mächtigen Chromgrill soll die neue Generation den Spagat schaffen in höhere Klassen vorzustoßen und doch ein echter Volkswagen zu bleiben. Dass der neue Passat im Interieur ein Platzangebot nahe der Oberklasse bietet, hat im Sinne der Baureihe Tradition. Durch die quer eingebauten Motoren und die etwas größeren Karosserie-Dimensionen gilt dies jedoch mehr denn je. Allein die Dimensionen - der neuen Passat wuchs um 62 mm auf 4,77 Meter Länge - markieren für die obere Mittelklasse neue Bestmarken. Hiermit liegt er fast auf Audi A6 Niveau. Auch in der Breite ist er deutlich gewachsen (+74 mm).


Das bringt viel Platz und mit 565 Litern Ladevolumen ein rekordverdächtiges Gepäckabteil, das diesen Namen wahrlich verdient. Was den Wohlfühl-Faktor angeht, hat das hier im neuen Passat aber auch gar nichts mehr mit dem Beamten-Auto mit Hostenträger-Image von 1973 zu tun. Wir gucken auf feinste Hölzer, fühlen edle Ledernarbung und feste Oberflächen
.




Gegen Aufpreis (ab Trendline) lassen sich die Sitzlehnen elektrisch verstellen, sich automatisch und zugfrei klimatisieren oder sperriges Gepäck durch eine Luke in der Klapp-Rücksitzlehne (asymmetrisch) schieben. Ohne Zweifel der Passat hat einen grossen Sprung gemacht. Über das von Design von Murat Günak lässt sich ggf. streiten. Aber dem neuen Passat lassen sich hohe innere Werte bescheinigen.

Prinzip Premium

Überhaupt: Im Vergleich zum Vorgänger wirkt die sechste Passat-Generation trotz des Wachstums schlanker und eleganter. Vorn setzt der verchromte "Wappengrill" optische Maßstäbe, der das neue VW-Gesicht kommender Fahrzeuggenerationen aus Wolfsburger prägen soll. Hinten sorgen schnell ansprechende LED-Leuchten für einen markanten Abschluss. Die Verwandtschaft zum großen Bruder Phaeton kann und möchte der neue Passat nicht leugnen.

Wer die ganze Bandbreite der Details kennen lernen möchte, die dem neuen Passat höhere Weihen sichern, darf sich nicht darauf beschränken, das Modell neugierig zu umrunden. Ein Beispiel sie hier mit dem Wegfall der traditionelle Handbremshebel in der Mittelkonsole gennant. Diese wurde von der elektronischen Parkbremse verdrängt und ist nun mit einfachem Tastendruck bedienbar. Beim Passat agieren die Elektromotoren mit (Feststell-)Bremsfunktion direkt an den Hinterrädern, ohne jede Seilzugüberbrückung.

 


Wohnliche Gestaltung des Innenraums

Bequeme Sitze sorgen für den nötigen Langstreckenkomfort, der Materialmix ist gelungen, die Schalter sitzen am richtigen Fleck. Das Ambiente, das natürlich je nach Ausstattungslinie seinen Aufpreis hat, bietet auf Wunsch Holz, Aluminium und Leder satt. Zur Basis gehören neben dem guten Gestühl sechs Airbags, ESP, eine Klimaanlage, ABS mit Bremsassistent, aktive Kopfstützen und eine Antischlupf-Regelung. Luftsäcke für die Fondpassagiere kosten 320 Euro extra.

Komfortorientiertes Fahrwerk

Lange Bodenwellen werden gut gedämpft. In dieser Disziplin ist der Fahrkomfort ausgezeichnet. Das Fahrwerk - wir widersprechen hier einigen Kollegen - überzeugte auch im Bereich Agilität. Die Abstimmung des Passat ist straff, aber dennoch angenehm komfortabel. Weder kurze Schläge noch lange Bodenwellen lassen ihn oder die Insassen aus der Ruhe bringen. Das dürfte vor allem ein Verdienst der neuen Vierlenkerhinterachse sein. Er federt wegen des kürzeren Radstandes nicht so angenehm wie mancher Vertreter der deutschen Oberklasse, lässt aber auch keine echte Schwäche bei der Fahrwerksabstimmung erkennen. Wenn der Fahrer zur Übertreibung neigt - und das ist bei diesem Fahrwerk nicht einfach - wird er vom ESP zielsicher eingebremst. Auch bei provozierten Lastwechseln bei testweise abgeschaltetem ESP verhielt sich der Wagen gutmütig. Die geschwindigkeitsabhängige Servo-Lenkung ist nicht so direkt wie dies wünschenswert wäre und vermittelte bei den ersten Ausfahrten einen akzeptablen Kompromiss - gut auf Autobahnen, eher weniger gut auf Landstraßen - zwischen Fahrbahnkontakt und Zielgenauigkeit. Serienmäßig bietet Volkswagen eine elektronische Parkbremse und gegen Aufpreis eine Anfahrhilfe für den Berg, der ein zurückrollen verhindert.

 

Zunächst zwei Benziner und zwei Diesel

Zur Markteinführung kommt der Passat mit zwei FSI-Benzinern (115/150 PS) und zwei Dieseln (105/140 PS). Später folgen Turbo-Benziner und V6 (200/250 PS) und eine stärkere Ausbaustufe des Zweiliter-Diesels mit 170 PS. Wer mit einem Sechszylinder-Diesel liebäugelt, wird sich geraume Zeit gedulden müssen. Aufgrund der Rückkehr zum Quereinbau der Aggregate, passt der Dreiliter TDi von Audi nicht in den Passat. Alle vier Motorisierungen sind mit manuellem Schaltgetriebe verfügbar. Versionen mit Automatikgetriebe für die FSI-Motoren und mit Direktschaltgetriebe für den 2,0 l TDI 103 kW/140 PS sowie weitere Motor-Getriebe-Variationen folgen im Laufe des Jahres, darunter ein Sechszylinder-Benzin-Direkteinspritzer mit 184 kW/250 PS, auf Wunsch ebenfalls mit dem DSG.

 


Fangen wir mit dem kleinen FSI-Motor an. Sportliche Fahrleistungen sind bei einem 1,4-Toner mit 115 PS nicht zu erwarten. Dennoch erreicht auch dieses Aggregat 200 km/h Höchstgeschwindigkeit, der Spurt auf Tempo 100 soll somit in 11,4 Sekunden gelingen. Wer es flotter mag, muss zum 2,0-Liter FSI (150 PS) greifen, der spürbar besser aufs Gaspedal reagiert und soetwas wie Sportlichkeit aufkeimen lässt.

Sehr überzeugend die beiden neuen 2.0 TDI. Mit dem leistungsstärkeren nagelneuen 170-PS-Diesel wird VW das stärkste Aggregat dieser Hubraumklasse im Programm haben. Dank zweier Ausgleichswellen - die auch die schwächere 140-PS-Variante erhielt - erreicht der TDI ein für VW-Diesel bislang ungewohntes Maß an Laufkultur und Vibrationsarmut. Subjektiv waren diese Motoren im Fahrbetrieb geräuschärmer als die FSI-Motoren. Ohne Zweifel könne die beiden Zweiliter-TDI mit sehr guten Common-Rail-Dieseln konkurrieren und stellen einen enormen Fortschritt dar. Der Zweiliter überzeugt in beiden Ausbaustufen mit frühem, schnellem Kraftaufbau. Die große Variante ist dabei insgesamt noch mal fülliger und dreht geradezu - für Diesel völlig untypisch - gierig bis in den Begrenzer bei 4500 Touren. Alle Diesel erfüllen EU 4 und gegen 565 Euro Mehrpreis kann auch ein Partikelfilter geordert werden. Wobei wir uns wieder Frage stellen - unabhängig davon, dass die neunen TDI-Aggregate die EU4-Norm auch ohne Partikelfilter erfüllen - warum dies nicht endlich zeitgemässer Weise zu einem integraler Bestandteil des Serienumfangs wird.

Was uns besonders beeindruckte war der serienmässige 6-Gang Handschalter, die sich als sehr knackig und direkt auszeichnete.

 


Preise und Ausstattung

Heute kaum vorstellbar, daß Passat-Kunden vor 32 Jahren Ihren wagen bereits zu Preisen ab 8450 Mark erstehen konnten. Heute sind es mindestens 21.800 Euro für den 1.6 FSI mit 102 PS. Volkswagen orientierte sich damit moderat über den wichtigsten Wettbewerbern.

Der neue Passat ist wie gewohnt in den vier Ausstattungslinien Trendline, Comfortline, Sportline und Highline erhältlich.

 


Der Einstiegspassat im Trendline umfasst ein 115 PS-FSI-Aggregat, Klimaanlage, elektronische Parkbremse, ESP, 16-Zoll-Felgen, höhenverstellbarer Fahrersitz und einige weitere Features. Unsere Empfehlung gilt dem kleine Diesel mit 105 PS, der ab 24 010 Euro zu haben ist. Für 25 650 Euro gibt es den Zweiliter-Diesel mit 140 PS. Die Ausstatungsliste ist lang und es ist aber kein Problem den Wagen auf 40.000 Euro und mehr aufzuwerten.


Auf Wunsch lässt sich der Wolfsburger mit allem ausstatten, was schön und teuer ist. Angefangen von Bluetooth, dass kabellos bis zu drei Handys konnektiert und in die Freisprechanlage einbindet über das 600Watt Soundsystem mit zehn Lautsprechern, ACC (Adaptive Cruise Control), die bei eingeschaltetem Tempomat den Abstand vom Vordermann hält, Kurvenlicht mit einer Abbiegefunktion oder elektrisch verstellbare Sitze bis hin zur beheizbaren Frontscheibe. Nicht "umsonst" heißt es so schön im neuen TV-Spot des Passat: "Luxus, an den man sich schnell gewöhnen kann". Wer noch eins draufsetzen möchte, kann sich seinen Wolfsburger von "VW Individual" mit allem verschönern lassen, was das Portemonaie hergibt. Ein Allradantrieb - heisst in Wolfsburg seit kurzem "4-Motion" - wird ebenfalls folgen.
Was dem Käufer klar sein muss. Wer den Passat zum Luxus-Auto aufrüstet, muss auch die entsprechenden Preise bezahlen.

 
Technische Daten VW Passat B6
 
VW Passat
1.6 FSI
VW Passat
2.0 FSI
VW Passat
1.9 TDI
VW Passat
2.0 TDI
Motorbauart
Reihe
Reihe
Reihe
Reihe
Zylinder
4
4
4
4
Hubraum ccm
1598
1984
1896
1968
Leistung kW (PS)
85 (115)
110 (150)
77 (105)
103 (140)
Drehmoment (bei 1/min)
155 (4000)
200 (3500)
250 (1900)
320 (1800)
Leergewicht kg
1348
1389
1422
1454
Beschleunigung 0-100 km/h
11,4 s
9,4 s
12,1 s
9,8 s
Höchstgeschwindigkeit km/h
200
213
188
209
Verbrauch L/100 km
7,5
8,2
5,6
5,9
Kraftstoff
Super Plus
Super Plus
Diesel
Diesel
Grundpreis
23.075.-
25.450,-
24.010,-
25.650,-




Fazit: Der Passat Nummer sechs ist ein rundum gelungener Wurf. Er verfügt über ein zeitloses und elegantes Design, viel Platz, moderne Motoren und eine solide Grundausstattung. Dazu ist der Nutzwert durch viele kleine Details - genannt seien zum Beispiel ein um acht auf 70 Liter vergrösserter Tank weiter gestiegen. Volkswagen hat die Hausaufgaben gemacht. Eine echte Schwäche ist auf den ersten Blick nicht erkennbar. Über das Design lässt sich ggf. streiten und ist geschmackssache. Dass der neue Passat in eine andere Liga aufgestiegen ist, dafür gibt es Eindrücke und Beweise in einer Hülle und Fülle, dass sie allesamt kaum in aktuellen Vorstellungen und Fahrberichten Erwähnung finden können. Argumentiert werden dürfte, ob nicht in allgemein schwierigen wirtschaftlichen Zeiten - insbesondere angesichts der vielschichtigen Misere in Deutschland - jegliche Premiumorientierung nun auch in der oberen Mittelklasse ad absurdum geführt werde. Auch wenn derzeitig der Eindruck entsteht, als mache nur noch das Billigauto das Rennen und der Absatz in der Premiumetage komme zum Erliegen. Weiterhin gilt: Die Ansprüche von Autokäufern wachsen stetig, auch wenn sie zunehmend individueller und differenzierter werden.



Die neue Generation überzeugt mit Qualitäten, die wir vom Vorgänger kennen: Die Platzverhältnisse sind überragend, die Verarbeitung und die Materialien sind absolut top. Und bei der Preisgestaltung bleibt VW ganz Volkswagen - im Passat bekommt der Käufer vergleichsweise viel Auto für sein Geld. Dazu kommen günstige Versicherungseinstufungen. Somit sollte dem Weg zum Verkaufsschlager nichts mehr im Wege stehen.

Und es bleibt spannend. Bereits im Spätsommer folgt mit dem Variant der eigentliche Verkaufsschlager. Bei den Kombi-orientierten Deutschen dürfte auch die sechste Passat-Generation wieder zu über zwei Dritteln traditionell als Varaiant geordert werden.





Weitere Informationen unter: www.volkswagen.de





 




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