Charismatischer
und durchtrainierter "Leichtathlet"
nagt am Neunelfer
Offiziell kommt das neue Porsche Coupé,
der seinen
Platz zwischen Boxster und 911 finden soll,
erst Mitte November zu den Händlern. Doch
wir durften Porsches jüngstes Baby, benannt
nach dem caiman crocodilus (ausgesprochen:
Kehjmän) schon vorab auf den kurvigen Landstraßen
in der Toscana inmitten des Chianti-Weinbaugebietes
testfahren.
Von
hinten fast noch schöner als von vorne:
Porsche Cayman S
Raubechse aus Zuffenhausen ist mehr als
der Boxster
Auf den ersten flüchtigen Blick ist das
Coupé nichts anderes als ein Boxster mit
festem Blechdach und großer Heckklappe.
Aber bei genauerem hinsehen vermittelt die
verwindungssteifere Karosserie mehr Präzision
und das zusätzliche Plus an Hubraum und
Leistung sorgt für spürbar mehr Fahrdynamik.
Das
neue Konzept bietet ausserdem mehr Platz
und Variabilität. Ersparnisse ergaben sich
für Porsche durch die Verwendung gleicher
Teile. 50 Prozent kamen vom Boxster, 20
Prozent vom großen Bruder Carrera. Trotzdem
sind etwa 30 Prozent der Teile völlig neu,
die Eigenständigkeit des Modells war den
Ingenieuren wichtig und ist auch optisch
- zumindest auf den zweiten Blick - unverkennbar.
Kurz zusammengefasst zeichnet den Cayman
S gegenüber den Boxster S die Nocken- und
Ventilhubverstellung (VarioCamPlus) und
somit ein ein 15 PS stärkerer Motor, "außergewöhnliche
Innenraumdetails", neue 18-Zoll-Räder,
und die 2,5-fache Torsionssteifigkeit aus.
So gesehen
eröffnet der Cayman S ein völlig neues Porsche-Segment
- und bereichtert eben nicht nur die Boxster-Baureihe
um eine Coupéversion. Der Cayman S ist ein
überraschend eigenständiges Fahrzeug geworden,
mit individuellen Qualitäten und Vorzügen.
Nur so lässt sich auch das Pricing von Porsche
erklären, dass weit oberhalb des Boxster
S positioniert ist. Dies stellt die ungeschriebene
Regel auf den Kopf, nach der offene Autos
im Allgemeinen deutlich teurer sind als
ihre geschlossenen Coupé-Pendanten. Der
"kleiner Elfer" befindet sich
aber noch weit unterhalb des grossen Bruder
911 für den die Schwaben immerhin einen
Aufpreis von rund 17.000 Euro gegenüber
dem Cayman S verlangen.
Unter
der charismatischen Hülle des Cayman verbirgt
sich ein modifizierter 3,4 Liter Sechszylinder-Mittelmotor
mit 295 PS, ein neu abgestimmtes Fahrwerk
und gegen 7.830 Euro Aufpreis das PCCB-Paket,
eine Keramikbremse mit 350 Millimeter großen
Bremsscheiben, 6-Kolben-Bremssättel an der
Vorderachse sowie 4-Kolben-Bremssättel auf
der Hinterachse. In Verbindung mit der verwindungs-
und torsionssteiferen Karosserie (dank Blechdach)
verspricht der Cayman S beste Fahreigenschaften.
Design
Der erste zweisitzige Porsche mit Mittelmotor
und Heckantrieb überzeugt aus jedem Blickwinkel.
Vorne Boxster, hinten ein flach und kontinuierlich
abfallendes Dach, dazu sehr deutlich modellierte
Kotflügel. Er sieht einfach verdammt gut
aus. Und gerade hinten herum mit fast erotisch
wirkende Heck auch anders als sein großer
Bruder 911. Das kraftvolle, muskelbepackte
Reptil überzeugt schon im Stand und lässt
keinen Zweifel an dem in ihm ruhenden Potenzial.
Bis ins Detail haben die Designer und Techniker
am Cayman gefeilt. Die beiden kleinen Spoilerlippen
am Bug etwa wurden so lange optimiert, bis
sie den Auftrieb nun um zehn Tausendstel
reduzieren. Klingt wenig, bringt viel: Bei
Tempo 270 verringert sich allein dadurch
der Auftrieb an der Vorderachse im Vergleich
zum Boxster um 14 Kilo.
Die
Cockpitabdeckung wurde gegenüber dem Boxster
modifiziert
Innenraum
Das Cockpit
differenziert sich geringfügig durch anders
gezeichnete Instrumente vom Roadster. Alle
Schalter und Anzeigen sind identisch. Einzig
das kleine Dach über den Instrumenten bekam
ein anders geformtes Lochblech. Schalthebel,
Lenkrad, Handbremsgriff, der Deckel des
Ablagefachs sowie die Türgriffe sind mit
Leder bezogen - und fühlen sich dementsprechend
gut an.
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Als Reisesportwagen taugt der Cayman S zumindest
bedingt. 410 Liter Volumen verteilen sich
auf zwei Gepäckräume. In jedem Fall der
Erwähnung wert: Die Mittelmotor-Bauweise
beschert dem Cayman S eine 116 x 90 Zentimeter
ausladende und hoch aufschwingende Heckklappe,
die nicht nur schön aussieht sondern auch
einen einfachen Zugang zur hinteren Ladefläche
eröffnet. Dort finden, von Netzen gesichert,
bis zu 260 Liter Gepäck Platz. Durch seine
flache und diagonal etwas lang gezogene
Bauweise ist der Laderaum allerdings für
dickere Gepäckstücke eher ungeeignet. Über
und hinter dem schwarzen Teppichhügel breitet
sich die unebene Kofferraumlandschaft aus.
Selbst ein Kleidersack hat Mühe, sich den
welligen Konturen anzupassen. Von oben heizt
die Sonne und von unten wird das Gepäck
durch den Mittelmotor angewärmt. Wer mit
dem Porsche verreisen möchte, sollte sich
seine Gepäckstücke sorgsam aussuchen. Das
fast quadratische Fach im Bug bietet nochmal
150 Liter Stauraum.
Bella macchina
Konstruktiv
liegt der Boxermotor des Cayman S näher
am Triebwerk des 911- als dem des Boxster.
Die Maschine besitzt die Zylinderköpfe mit
Variocam+ (verstellbare Einlassnockenwelle,
variabler Ventilhub) des 911er. So gesehen
fällt die Leistungssteigerung im Vergleich
zum Boxster S moderat aus: 295 PS aus 3,4
Litern Hubraum bedeuten ein Plus von 0,2
Litern Hubraum und 15 Pferdestärken zum
Boxster S. Offenbar wollten die Zuffenhausener
den Neuen bewusst nicht über die 300-PS-Marke
hieven und damit einen eher optischen Respektabstand
zum 911 behalten. Allerdings in Fahrleistungen
sind die Unterscheide nur noch marginal.
In exakt fünf Sekunden beschleunigt der
Klassiker bis 100, vier Zehntel schneller
als der Cayman, der seinerseits dem Boxster
S eine Zehntel abnimmt. Ähnlich sieht die
Sache bei den Topspeeds aus: 911 (285) vor
Cayman (275) und Boxster (268). Die Cayman-Maschine
besitzt ein maximales Drehmoment von 340
Nm zwischen 4.400 und 6.000/min
Porsche setzte beim Cayman auf konsequenten
Leichtbau: Der Neuling bringt gerade einmal
1340 Kilogramm auf die Waage. Dieses bedeutet:
Jedes PS muss sich nur um 4,6 Kilogramm
kümmern.
Fahrwerk
und Fahrleistungen
Wie erwartet
stellt auch dieser Porsche das Nonplusultra
der Fortbewegung dar. Fahrspaß ohne Ende
inbegriffen. Richtig beeindruckend ist aber
das Fahrverhalten des Cayman auf kurvigem
Geläuf. Die Lenkung arbeitet wunderbar präzise
und exakt. Das Fahrwerk basiert auf dem
des Boxster, dennoch liegt das Handling
auf einem spürbar agileren Niveau. Insbesondere
die Federn, Dämpfer und Stabilisatoren wurden
für den Cayman S sportlicher und straffer
abgestimmt. Serienmässig kommt der Cayman
auf 18 Zoll-Rädern daher.
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Durch den Einbau des Motors vor der Hinterachse
(Mittelmotor) ergibt sich ein mittig und
tief liegender Schwerpunkt. In 5,4 Sekunden
lässt sich der Zweisitzer mit dem serienmäßigen
Sechsgang-Schaltgetriebe (Tiptronic: 6,1
Sekunden) souverän auf Tempo 100 beschleunigen.
Für verbesserte Sprintqualitäten wurden
der 1. und 2. Gang kürzer ausgelegt als
beim Boxster. Ab 5000 und bis weit jenseits
der 6000 Umdrehungen des hochdrehenden kurhubigen
Vierventil-Motors ertönen aus den zwei mittig
angelegten, viereckigen Endrohren der so
süchtigmachende unnachahmliche Porsche-Klang.
Der Motor zaubert in das Coupé eine Klangkulisse,
die ihresgleichen sucht. Präsent, aber nicht
nervig. Laut, aber nicht aufdringlich.