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Fahrbericht
Cayman S: Erste Fahreindrücke von dem neuen Porsche Coupé

 
  • 3,4-Liter-Boxeraggregat mit 295 PS
  • Innovatives Raumkonzept mit mehr Stauraum als beim Boxster
  • Bissiger Kurvenräuber zwischen dem Boxster S und dem 911 Carrera positioniert ist
 

Bild oben: Cayman S ist teurer als der Boxster - bietet dafür aber jede Menge Fahrspass


Charismatischer und durchtrainierter "Leichtathlet" nagt am Neunelfer

Offiziell kommt das neue Porsche Coupé, der seinen
Platz zwischen Boxster und 911 finden soll, erst Mitte November zu den Händlern. Doch wir durften Porsches jüngstes Baby, benannt nach dem caiman crocodilus (ausgesprochen: Kehjmän) schon vorab auf den kurvigen Landstraßen in der Toscana inmitten des Chianti-Weinbaugebietes testfahren.



Von hinten fast noch schöner als von vorne: Porsche Cayman S



Raubechse aus Zuffenhausen ist mehr als der Boxster

Auf den ersten flüchtigen Blick ist das Coupé nichts anderes als ein Boxster mit festem Blechdach und großer Heckklappe. Aber bei genauerem hinsehen vermittelt die verwindungssteifere Karosserie mehr Präzision und das zusätzliche Plus an Hubraum und Leistung sorgt für spürbar mehr Fahrdynamik
.


 


Das neue Konzept bietet ausserdem mehr Platz und Variabilität. Ersparnisse ergaben sich für Porsche durch die Verwendung gleicher Teile. 50 Prozent kamen vom Boxster, 20 Prozent vom großen Bruder Carrera. Trotzdem sind etwa 30 Prozent der Teile völlig neu, die Eigenständigkeit des Modells war den Ingenieuren wichtig und ist auch optisch - zumindest auf den zweiten Blick - unverkennbar. Kurz zusammengefasst zeichnet den Cayman S gegenüber den Boxster S die Nocken- und Ventilhubverstellung (VarioCamPlus) und somit ein ein 15 PS stärkerer Motor, "außergewöhnliche Innenraumdetails", neue 18-Zoll-Räder, und die 2,5-fache Torsionssteifigkeit aus.

So gesehen eröffnet der Cayman S ein völlig neues Porsche-Segment - und bereichtert eben nicht nur die Boxster-Baureihe um eine Coupéversion. Der Cayman S ist ein überraschend eigenständiges Fahrzeug geworden, mit individuellen Qualitäten und Vorzügen. Nur so lässt sich auch das Pricing von Porsche erklären, dass weit oberhalb des Boxster S positioniert ist. Dies stellt die ungeschriebene Regel auf den Kopf, nach der offene Autos im Allgemeinen deutlich teurer sind als ihre geschlossenen Coupé-Pendanten. Der "kleiner Elfer" befindet sich aber noch weit unterhalb des grossen Bruder 911 für den die Schwaben immerhin einen Aufpreis von rund 17.000 Euro gegenüber dem Cayman S verlangen.



Unter der charismatischen Hülle des Cayman verbirgt sich ein modifizierter 3,4 Liter Sechszylinder-Mittelmotor mit 295 PS, ein neu abgestimmtes Fahrwerk und gegen 7.830 Euro Aufpreis das PCCB-Paket, eine Keramikbremse mit 350 Millimeter großen Bremsscheiben, 6-Kolben-Bremssättel an der Vorderachse sowie 4-Kolben-Bremssättel auf der Hinterachse. In Verbindung mit der verwindungs- und torsionssteiferen Karosserie (dank Blechdach) verspricht der Cayman S beste Fahreigenschaften.




Design

Der erste zweisitzige Porsche mit Mittelmotor und Heckantrieb überzeugt aus jedem Blickwinkel. Vorne Boxster, hinten ein flach und kontinuierlich abfallendes Dach, dazu sehr deutlich modellierte Kotflügel. Er sieht einfach verdammt gut aus. Und gerade hinten herum mit fast erotisch wirkende Heck auch anders als sein großer Bruder 911. Das kraftvolle, muskelbepackte Reptil überzeugt schon im Stand und lässt keinen Zweifel an dem in ihm ruhenden Potenzial.

Bis ins Detail haben die Designer und Techniker am Cayman gefeilt. Die beiden kleinen Spoilerlippen am Bug etwa wurden so lange optimiert, bis sie den Auftrieb nun um zehn Tausendstel reduzieren. Klingt wenig, bringt viel: Bei Tempo 270 verringert sich allein dadurch der Auftrieb an der Vorderachse im Vergleich zum Boxster um 14 Kilo.



Die Cockpitabdeckung wurde gegenüber dem Boxster modifiziert

Innenraum

Das Cockpit differenziert sich geringfügig durch anders gezeichnete Instrumente vom Roadster. Alle Schalter und Anzeigen sind identisch. Einzig das kleine Dach über den Instrumenten bekam ein anders geformtes Lochblech. Schalthebel, Lenkrad, Handbremsgriff, der Deckel des Ablagefachs sowie die Türgriffe sind mit Leder bezogen - und fühlen sich dementsprechend gut an.

 


Als Reisesportwagen taugt der Cayman S zumindest bedingt. 410 Liter Volumen verteilen sich auf zwei Gepäckräume. In jedem Fall der Erwähnung wert: Die Mittelmotor-Bauweise beschert dem Cayman S eine 116 x 90 Zentimeter ausladende und hoch aufschwingende Heckklappe, die nicht nur schön aussieht sondern auch einen einfachen Zugang zur hinteren Ladefläche eröffnet. Dort finden, von Netzen gesichert, bis zu 260 Liter Gepäck Platz. Durch seine flache und diagonal etwas lang gezogene Bauweise ist der Laderaum allerdings für dickere Gepäckstücke eher ungeeignet. Über und hinter dem schwarzen Teppichhügel breitet sich die unebene Kofferraumlandschaft aus. Selbst ein Kleidersack hat Mühe, sich den welligen Konturen anzupassen. Von oben heizt die Sonne und von unten wird das Gepäck durch den Mittelmotor angewärmt. Wer mit dem Porsche verreisen möchte, sollte sich seine Gepäckstücke sorgsam aussuchen. Das fast quadratische Fach im Bug bietet nochmal 150 Liter Stauraum.

Bella macchina

Konstruktiv liegt der Boxermotor des Cayman S näher am Triebwerk des 911- als dem des Boxster. Die Maschine besitzt die Zylinderköpfe mit Variocam+ (verstellbare Einlassnockenwelle, variabler Ventilhub) des 911er. So gesehen fällt die Leistungssteigerung im Vergleich zum Boxster S moderat aus: 295 PS aus 3,4 Litern Hubraum bedeuten ein Plus von 0,2 Litern Hubraum und 15 Pferdestärken zum Boxster S. Offenbar wollten die Zuffenhausener den Neuen bewusst nicht über die 300-PS-Marke hieven und damit einen eher optischen Respektabstand zum 911 behalten. Allerdings in Fahrleistungen sind die Unterscheide nur noch marginal. In exakt fünf Sekunden beschleunigt der Klassiker bis 100, vier Zehntel schneller als der Cayman, der seinerseits dem Boxster S eine Zehntel abnimmt. Ähnlich sieht die Sache bei den Topspeeds aus: 911 (285) vor Cayman (275) und Boxster (268). Die Cayman-Maschine besitzt ein maximales Drehmoment von 340 Nm zwischen 4.400 und 6.000/min

Porsche setzte beim Cayman auf konsequenten Leichtbau: Der Neuling bringt gerade einmal 1340 Kilogramm auf die Waage. Dieses bedeutet: Jedes PS muss sich nur um 4,6 Kilogramm kümmern.

Fahrwerk und Fahrleistungen

Wie erwartet stellt auch dieser Porsche das Nonplusultra der Fortbewegung dar. Fahrspaß ohne Ende inbegriffen. Richtig beeindruckend ist aber das Fahrverhalten des Cayman auf kurvigem Geläuf. Die Lenkung arbeitet wunderbar präzise und exakt. Das Fahrwerk basiert auf dem des Boxster, dennoch liegt das Handling auf einem spürbar agileren Niveau. Insbesondere die Federn, Dämpfer und Stabilisatoren wurden für den Cayman S sportlicher und straffer abgestimmt. Serienmässig kommt der Cayman auf 18 Zoll-Rädern daher.

 



Durch den Einbau des Motors vor der Hinterachse (Mittelmotor) ergibt sich ein mittig und tief liegender Schwerpunkt. In 5,4 Sekunden lässt sich der Zweisitzer mit dem serienmäßigen Sechsgang-Schaltgetriebe (Tiptronic: 6,1 Sekunden) souverän auf Tempo 100 beschleunigen. Für verbesserte Sprintqualitäten wurden der 1. und 2. Gang kürzer ausgelegt als beim Boxster. Ab 5000 und bis weit jenseits der 6000 Umdrehungen des hochdrehenden kurhubigen Vierventil-Motors ertönen aus den zwei mittig angelegten, viereckigen Endrohren der so süchtigmachende unnachahmliche Porsche-Klang. Der Motor zaubert in das Coupé eine Klangkulisse, die ihresgleichen sucht. Präsent, aber nicht nervig. Laut, aber nicht aufdringlich.

 

 

Enge Kurven bügelt das Cayman S-Fahrwerk mit oder ohne eingeschaltetem Sportmodus (10 mm niedriger) glatt. Ohne PSM lässt sich der Boliden über die 265er Michelin-Reifen auf der Hinterachse (vorn: 235/40 auf 18 Zoll) im leichten Drift durch die Kurven schieben. Das macht Spaß und lässt sich von einem erfahrenen Fahrer gut kontrollieren. Dabei profitiert der Fahrer auch von der präzisen Lenkung des Cayman S, die schon auf geringe Einflüsse reagiert. Zu dem ausgezeichneten Lenkverhalten tragen sicherlich auch die speziell auf den Cayman abgestimmten Michelin-Pneus bei. Die eingetragene Höchstgeschwindigkeit von 275 km/h konnten wir in den idyllischen Straßenabschnitte der Chianti-Region natürlich nicht "erfahren". Aber wir hegen keine Zweifel, dass man mit diesem neuen Porsche auch so schnell unterwegs sein kann.

 



Besonders erfreulich, dass der Kunden beim Komfort für soviel Neutralität und Fahrspaß nur so geringe Abstriche machen muss. Den Porsche-Entwicklern ist ein Fahrwerk geglückt, das im Alltag wenig Abstriche erfordert und mit seinem geschmeidigen Ansprechverhalten durchaus langstreckentauglich sein dürfte. Das Basisfahrwerk ist rundum harmonisch abgestimmt und bietet neben ordentlichem Komfort und guter Beherrschbarkeit ein hohes fahrdynamisches Niveau.

Serienmäßig besitzt der Cayman S das Porsche Stability Management (PSM), optional gibt es das Porsche Active Suspension Management (PASM), das die fahrdynamischen Qualitäten des Cayman S auf ein noch höheres Niveau heben soll. Auf dem Nürburgring soll die Sportabstimmung bis zu drei Sekunden pro Runde bringen, in der zivilen Praxis bringt sie vor allem noch mehr Spaß. Das PASM-Fahrwerk übernimmt mit seinen verstellbaren Dämpfern die dynamische Feinabstimmung, wobei das Spektrum vom entspannten Gleiten bis zum atemlosen Carven reicht.

  Wenn es doch einmal eng werden sollte, retten die gnadenlos zugreifenden Bremsen. Die Keramikvariante basiert auf der des 911 und sorgt Dank des geringeren Fahrzeuggewichts

des Cayman für eine noch rigidere Verzögerung. Eine Keramik-Bremsanlage - man erkennt sie an dem roten Bremssattel - gibt es gegen 7830 Euro Aufpreis. Ein Mehr, das sich unter dem Strich neben dem Plus an Sicherheit sogar finanziell lohnen dürfte: Die Keramikscheiben halten laut Porsche ein ganzes Cayman-Leben lang.  

Zielgruppe

Der Caymann soll vor allem junge erfolgreiche Kunden locken. Wobei bei den Zuffenhausenern jung - nicht zuletzt dank des rel. hohen Preisniveaus - relativ ist. Der Carrera-Kunde ist im Schnitt 48 Jahre alt, beim Cayenne sind es auch noch 45 Jahre, der Cayman soll diese Zahl auf 42 Jahre absenken. Porsche zielen auf Kunden, die vielleicht auch schon mit Mitte 30 den Marshall-Stab im Tornister haben. Also junge Manager(innen), die ihren Erfolg auch über ein entsprechendes Fahrzeug sichtbar nach außen tragen wollen. Zudem bietet der Cayman immerhin 410 Liter Stauraum in Front und Heck dank des Mittelmotorkonzepts - auch dies erschliesst neue Kundengruppen.

Fazit: Tatsächlich ein neues Konzept, in dem noch viel Potenzial für die Zukunft steckt

Porsche hat es einmal mehr geschickt verstanden, ein intelligentes Derivat eines bereits bestehenden Fahrzeugs abzuleiten. Der Cayman S ist sportlicher als ein Boxster und preiswerter als ein 911er. Für einen Einstiegspreis von unter 60.000 Euro erhält der Porschekäufer einen Sportwagen, der fast keine Wünsche offen lässt. Dem Cayman S gebühren aus unserer Sicht Bestnoten im Bereich Design und Fahrverhalten und eine immer noch akzeptable Note im Bereich Raumangebot. Bleibt noch das Pricing. Die Zuffenhausener wissen nur allzu gut, dass ihnen ein bemerkenswerter Sportwagen mit ausgezeichneten Allround-Qualitäten gelungen ist, der es verdient, nach anderen Maßstäben gemessen zu werden als nur dem des Kaufpreises. Außerdem ist das Preis-Leistungs-Verhältnis auch eine Frage des Blickwinkels. Beim Cayman S spart der Kunde gegenüber dem günstigsten 11er fast 17.000 Euro. Und gegenüber dem Boxster ist er zweifelsohne die elegantere Schönheit. Was wirklich gut ist und begehrt wird, darf auch mehr kosten. Porsche reizt diese Karte ganz genüsslich aus. Mit einer harmonischen Coupélinie und einigen prägnanten Merkmalen, wie den stark ausgeprägten hinteren Kotflügeln und den darin integrierten markanten Lufteinlässen mit vertikalen Lamellen sowie der neu gestalteten Front mit integrierten Nebelscheinwerfern, schaffte es Porsche dem Cayman S eine eigenständige Identität zu verleihen.

Technische Daten Porsche Cayman S
Motor
Boxer
Hubraum (cm³)
3386
Antrieb
Heck
Zuladung(kg)
290
0-100 km/h (s)
5,4
Verbrauch (L/100 km)
10,6
Serienaustattung
18-Zoll-Leichtmetallräder, ZV mit FB, elektr. Fensterheber, elektr. verstellbare Spiegel, Radio, Bordcomputer, Klimaan- mlage, Sitze mit elektr. Lehnenverstellung
Grundpreis Euro brutto
58.529,-


Weitere Infos: www.porsche.de

 




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