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Fahrbericht
Der neue Golf V - nicht nur optisch ein mehr an Agilität und Fahrdynamik

 
  • Angetestet: Die fünfte Generation des klassenlosen Bestsellers
  • Der neue Golf ist länger, höher und breiter geworden
  • Markteinführung ist am 17. Oktober 2003

 

Oben: Der neue Golf wirkt (und fährt sich auch) spürbar sportlicher und dynamischer


Der Golf V sieht weiter wie ein Golf aus ... aber er fährt sich noch besser

Seine Publikumspremiere feierte der neue Golf V auf der IAA. Nun steht die Markteinführung des Golf V kurz bevor. Wir fuhren den neuen Golf in verschiedenen Ausstattungs- Motor- und Getriebevarianten quer durch den Harz.



Behutsame Designveränderungen - Evolution statt Revolution

Der Chefdesigner Hartmut Warkuß setzte die zeitgemässe Neuinterpretation der neuen Golfgeneration bewusst behutsam um. Ein Golf bleibt unverkennbar ein Golf - und das ist auch gut so. Die schlechten Erfahrungen anderer Hersteller aus Frankreich oder Japan mit krassen Stylingschritten zeigen deutlich wie richtig diese Politik ist. Das Design verleiht auch Identität.
Nur vorsichtige Retuschen wurden für das neue Blechkleid umgesetzt. Ziel waren ein hoher Wiedererkennungswert und solider, stämmiger Auftritt.
Unverkennbar ist der neue Golf auf den ersten Blick als ein Golf zu erkennen. Dennoch spürbar sportlicher und dynamischer. Das Design mit seiner charakteristischen C-Säule, dem kraftvollen Heck, der betont sportlichen Frontpartie und der muskulösen, nach hinten ansteigenden Silhouette zeigt eine neue souveräne Dynamik.


Neue Dimension in Sachen Fahrkomfort und -dynamik

Technisch betrachtet ist der neue Golf ein großer Schritt nach vorn. Besondere Erwähnung verdient hier das aufwändige Fahrwerk mit hinterer Einzelradaufhängung statt starrer Verbundlenkerachse und stößt damit in puncto Komfort und Agilität in neue Dimensionen vor. In Verbindung mit der elektro-hydraulischen Lenkung soll dies den Golf in Sachen Fahrkomfort und -dynamik ein spürbar höheres Niveau verleihen. Und tatsächlich dank der neuen, vom Audi A3 und VW Touran übernommenen Vierlenker-Hinterachse sowie der neuartigen Servolenkung bietet der neue Golf Fahrspaß wie nie zuvor. Und obwohl wir das Fahrwerk als deutlich straffer empfanden, federt der neue Golf spürbar besser als der Alte.
 


In allen Dimensionen gewachsen

Das Größenwachstum (sechs Zentimeter mehr Radstand) schafft mehr Platz im Fond sowie einen etwas größeren Kofferraum. Wie schon beim Vorgänger bleiben die bequeme aufrechte Sitzposition und das von Mitwettbewerbern ergonomisch strukturierte Bedienkonzept.

 


Kein Licht ohne Schatten: Haptik des Interieurs

In den meisten Punkten konnte das Qualitäts- und Verarbeitungsniveau nochmals spürbar angehoben werden. Allerdings hat der Golf früher den Maßstab in der Haptik und Anmutungsqualität gesetzt. Heute präsentiert sich das Cockpit als sei es deutlich dem Rotstift eines Controllers zum Opfer gefallen. Hartkunstoff mit Softlack dominiert die Mittelkonsole. Den deutlichen Vorsprung im Finish, den VW einst im Segment der A-Klasse zweifelsohne inne hatte - scheint dahin. Der Bedienungsfreundlichkeit indes tut das keinen Abbruch. Schon nach kurzer Eingewöhnungszeit ist man intuitiv mit dem neuen Golf auch ohne Studium der Betriebsanleitung so vertraut als gehöre einem dieses Fahrzeug schon erheblich länger.

Der Fahrer schaut durch ein Vierspeichen-Lenkrad auf kreisrunde Instrumente. Die Armaturentafel wird dominiert durch eine weit nach oben gezogene Mittelkonsole, auf der sich ergonomisch gut plaziert alle Schalter und Regler befinden: Die für Audio-, Klima- sowie im Falle des hervorragenden Blaupunkt-Radio-Navigationssystems (2340 Euro Aufpreis) ein sieben Zoll großes Multifunktionsdisplay.


Ungewohnt ist die etwas tiefere Sitzposition gegenüber dem Vorgänger. Die Sitze - insbesondere in der Lederausführung (Raffleder auf der Sitzfläche) - sind noch bequemer geworden und bieten vorne wie hinten selbst groß gewachsenen Personen ausreichend Platz. Auch die optisch gelungenen Seriensitze bieten bereits sehr viel Seitenhalt.

Reparaturfreundliche Modultüren


Als erstes stahlbasiertes Großserienauto der Welt besitzt der neue Golf im Modulsystem aufgebaute Türen. Im Schadensfall ist es hier möglich, statt der kompletten Tür lediglich die Außenhaut zu tauschen. Dadurch entsteht ein immenser Zeit- und Kostenvorteil der sich auch auf die Typklasseneinstufung in der Versicherung auswirken wird.

Erstklassiges Interieur-Design mit vielen ungeahnten Ablagemöglichkeiten

Verteilt im gesamten Innenraum befinden sich die vielen praktischen Ablagemöglichkeiten: Von der Sonnenbrillen-Konsole im Dachhimmel über den mittlerweile obligatorischen Becherhalter in Seitenverkleidungen und Mitteltunnel bis zur Schublade unter den Vordersitzen. Besonders pfiffig fanden wir den Mittelsteg der beiden Getränkedosenhalter im Mitteltunnel, der sich herausnehmen und als Flaschenöffner nutzen lässt.


Serienausstattung

Serienmässig gibt es eine umfassende Sicherheitsausstattung inklusive sechs Airbags, fünf Kopfstützen - vorne aktiv - samt Dreipunktgurten, Sicherheitslenksäule, ESP inklusive Dual Brake Assist und beim Unfall wegklappende Pedale. In der Basis-Version Trendline sind bereits Komfortmerkmale wie elektrische Fensterheber, elektrisch einstell- und beheizbare Außenspiegel und Zentralverriegelung mit Fernbedienung serienmäßig. Desweiteren 195er Reifen, elektromechanische Servolenkung und Wärmeschutzglas. Der Einstiegspreis liegt bei 15.220 Euro.

Die anderen Versionen Comfort und Sport kosten jeweils 1630 Euro Aufpreis. Diese kommen mit Details wie die automatische Fahrlichtschaltung, Regen- und Lichtsensor, Komfort-Sitze, automatisch abblendendem Innenspiegel, 15-Zoll-Leichtmetallfelgen und Tempomat (Comfortline) oder ein Sportfahrwerk mit 16-Zoll-Alu-Felgen, lackierte Stoßfänger und Schutzleisten, Sportsitze und Lederlenkrad plus Lederschalthebelknauf (Sportline) hinzu.

 

Extras

Es gibt eine üppige Liste an aufpreispflichtigen Extras, auf der sich neben äußeren und inneren Verschönerungen auch so Luxus-Features wie eine zugluftfreie Klimaanlage (Climatronic) mit automatischer Umluftschaltung beim Rückwärtsfahren (1525 Euro), zusätzliche Seitenairbags für den Fond (265 Euro), verschiedene Radiosysteme mit CD-Player (335 bis 625 Euro), Navigationssystem (2340 Euro) sowie ein Telefon mit Freisprecheinrichtung (975 Euro) finden lässt. Wer sich da nicht zurückhält, durchbricht mit dem Golf auch schnell die 30.000-Euro-Grenze.

Künftig soll es nur noch die drei Linien Trend, Comfort und Sport geben

Derivate - auch der Golf-Avant (Kombi) steht auf der Kippe

Vorerst wird es kein eigenständiges neues Golf-Cabrio geben. Verständlich da Volkswagen mit der offenen Version des Beetle in diesem Cabriosegment relativ gut aufgestellt ist. Umso schwerer wiegt hier hingegen die zweite Offenbarung: Es sei äußerst fraglich, ob eine Kombiversion des Golf entwickelt werde. Hier gäbe es ja zur Überbrückung den Kompaktvan Touran auf Golfbasis. Auf VW Bora (Ende 2004), müssen Interessenten noch länger warten. Zuvor jedenfalls erscheint vermutlich eine noch namenlose Hochdach-Variante (HD) des Golf (Herbst 2004), die auf der Verkehrsfläche der Golf-Limousine so viel Ladevolumen bieten soll wie ein klassischer Kombi. Ob man einen Variant dann noch braucht, wird der Markt entscheiden. Jedenfalls liegen Hochdach-Autos im Trend, und VW kann damit eine weitere offene Marktnische schließen.

 


Motoren

Diesel: Die Palette der TDI-Motoren wurde um einen Zweiliter mit 140 PS und 320 Nm nach oben erweitert. Dieser vor allem im Bereich zwischen 2.000 und 4.000 Touren enorm durchzugsstarke Diesel läuft bemerkenswert kultiviert und passt in Verbindung mit dem gut gestuften Sechsgang-Schaltgetriebe prima zum komfortablen Charakter des Kompakt-VW. Die Palette bietet zur Markteinführung einen SDI sowie zwei leistungsstärkere Vierventil-TDI mit 1,9 und 2,0 Liter Hubraum sowie 100, 140 und 160 PS. Ob allerdings der für den neuen VW Bully (T5) entwickelte 2,5-Liter-Fünfzylinder-TDI (174 PS, 400 Newtonmeter) auch im Golf eingesetzt wird, ist nicht definitiv entschieden. Die PQ 35-Plattform wäre dafür kein Hinderungsgrund.

Benziner: Bis auf den 75 PS starken Einstiegsvierzylinder mit 1,4 Liter Hubraum setzt Volkswagen bei den Ottomotoren auf Benzin-Direkteinspritzung. Je zwei 1,6-Liter- (86 und 115 PS) und Zweiliter-Motoren (150/200 PS). Die Krönung der Motorenbaureihe im Golf V wird erst 2004 erfolgen, wenn der auf FSI-Technik umgestellte 3,2 Liter VR6-Motor, der übrigens ausschließlich mit dem Allradantrieb 4-motion kombiniert erhältlich sein wird, in den Kompaktsportler Einzug halten wird.


Alle Motoren erfüllen allesamt die EU-4-Norm, die in Deutschland noch bis 2005 steuerlich gefördert wird. Kleiner Wermutstropfen: Auch die neuen TDI-Modelle des VW Golf wird es serienmäßig nicht mit einem sauberem Rußpartikelfilter geben.

Motorisierung unserer Wahl: Der 1.9 TDI

Unser Favorit war das gut 100 PS starke 1.9 TDI-Agregat. Dieses machte im Golf eine ausgewogene Figur. Seine 250 Nm schoben den fast anderthalb Tonnen schweren Golf immer souverän an. Auch im untersten Drehzahlbereich ist der Antritt kräftig genug. Ein Turboloch ist praktisch nicht vorhanden. Drehfreude ist natürlich nicht die Stärke des Zweiventilers. Auch geht im Vergleich mit der Commonrail-Konkurrenz dieser ausgesprochen rauh zur Sache. Dafür stimmen Fahrwerte und Verbrauch: Über 190 km/h Höchstgeschwindigkeit waren bei uns im Test möglich. Die Verbrauchswerte lagen dennoch unter sechs Litern auf 100km. Die Tatsachen, dass der TDI 1.9 die EU4-Abgasnorm schafft sowie die erheblich günstigeren Anschaffungskosten ggü. dem grösseren Vierventilbruder 2.0 TDI machen ihn letztlich zu der Motorisierung dem wir das grösste Absatzpotenzial zutrauen. Wer unbedingt mehr Leistung will, wird mit dem 2,0 TDI sicherlich glücklicher als mit dem 2.0 FSI, den wir subjektiv als erheblich schwachbrüstiger empfanden.


Getriebe

Grosses Lob verdient die äusserst gelungene Getriebeabstimmung beim Handschalter. So knackig und präzise haben wir bisher selten ein Schaltgetriebe kennengelernt. Der Golf 1.4 und 1.9 TDI wird über ein Fünfganggetriebe geschaltet. Für den Golf 1.6 FSI und 2.0 TDI kommen serienmäßig Sechsganggetriebe zum Einsatz (1.9 TDI optional). Eine hochmoderne Sechsgangautomatik steht für den Golf 1.6 FSI zur Verfügung. Die TDI-Motoren können alternativ mit dem sportlichen DSG kombiniert werden. In unserem Test bewährte sich das DS-Getriebe hervorragend.

 


Fazit

Auch dem neuen Golf lassen sich wieder herausragende Klasseneigenschaften bescheinigen. Beim Fahrwerk und in der daraus gewonnenen Agilität hat der Wolfsburger enorm zugelegt und gehört nun in dem A-Segment der Kompaktfahrzeugen zu den Besten seiner Klasse. Volkswagen plant noch dieses Jahr knapp 160.000 Einheiten von dem neuen Golf zu bauen. Der Bestelleingang lässt eine erfolgreiche Markteinführung erwarten. 2004 sollen dann bereits 600.000 Exemplare produziert werden. Es bleibt zu wünschen, dass der neue Golf den dafür notwendigen genügend starken Kaufanreiz ausübt, um die generelle auf dem deutschen Markt weiterhin anhaltene Kaufzurückhaltung zu durchbrechen. Aus unserer Sicht hat er das Zeug dazu.

Seit Jahren drängen stetig weitere A-Klasse-Derivate in die Golf-Klasse. Umso erstaunlicher ist die Tatsache, dass der nun zur Ablösung anstehenen Vorgänger Golf IV trotz seines Modellzyklus ungebrochen seine Führungsrolle behaupten konnte. Auch der neue Golf V wird unseres Erachtens die Golf-Erfolgsgeschichte fortschreiben. Davon sind wir nach unseren Testfahrten umsomehr überzeugt. Nicht zuletzt die Wertbeständigkeit rechtfertigt die nach wie vor etwas höhren Preise ggü. den Mitwettbewerbern.


Technische Daten VW Golf V
Typ
Golf 1.4
Golf 1.6 FSI
Golf 1.9 TDI
Golf 2.0 TDI
Motor
Reihenvierzylinder
Reihenvierzylinder
Reihenvierzylinder
Reihenvierzylinder
Hubraum (cm3)
1390
1595
1896
1968
Leistung in PS (KW) bei U/min-1
75 (55) bei 5000
102 (75) bei 5600
105 (77) bei 4000
140 (103) bei 4000
Max. Drehmoment (Nm) bei Umin-1
126 bei 3800
148 bei 3800
250 bei 1900
320 bei 1750-2500
Höchstgeschwindigkeit (km/h)
164
184
187
203
Beschleunigung 0-100 km/h (sek.)
14,7
11,4
11,3
9,3
Getriebe
5gang-Schaltung
5gang-Schaltung
5gang-Schaltung
6gang-Schaltung
Antrieb
Front
Front
Front
Front
Treibstoffsorte
Super
Super
Diesel
Diesel
Verbrauch EU-Drittelmix (l/100 km)
6,8
7,2
5,0
5,4
Gewicht, Herstellerangabe (kg)
1154
1173
1251
1281
Grundpreis
 15 220 Euro
 17 995 Euro
 18 650 Euro
 22 625 Euro
Abgasnorm
EU4
EU4
EU4
EU4
Versicherungsklassen (HP/TK/VK):
13/16/13
16/22/17
17/24/19




 

 



Weitere Infos: www.volkswagen.de





 


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