FahrBericht Der Golf-Angreifer: Fiat
Bravo Sport 2.0 MJT 16V mit 165 PS im ausführlichen
Fahrbericht
Fiat findet wieder zu alter Stärke zurück
USB-Schnittstelle
für Musik und Navi
Dieselmotor
mit sehr gutem Durchzug und geringem
Verbrauch
Gutes
Platzangebot; Manko: Hohe Ladekante
Preise
ab 25.100 Euro
Fiat
Bravo: Ein Schönling unter den Biedermännern
in der Kompaktklasse
Fiat Bravo bringt frischen Wind in die Golf-Klasse
Die Marke Fiat hat sich in den letzten Jahren
konsequent erneuert und ist auf dem besten
Wege widder in die Erfolgsspur zurückzufinden.
Die Absatzschwäche überwand Fiat
spätestens mit dem Erscheinen des Grande
Punto. Flankiert wird der Erfolg mit vielen
neuen Produkten, stark rationalisierter Fertigung
und Entwicklung sowie einigen strategisch
ausgerichteten Allianzen.
Anzeige:
Vor kurzem legte die italienische Marke bei
dem erfolgreich gestarteten neuen Bravo kräftig
nach. Um der immer stärker werdenden
Diesel-Konkurrenz genügend Paroli bieten
zu können, soll nun ein 165 PS starker
Topdiesel die neue Speerspitze bilden. Wir
fuhren den Fiat Bravo Sport 2.0 MJT 16V mit
121 kW (165 PS).
Am
Heck fallen die tropfenförmigen, roten
Leuchten und die vergleichsweise kleine Heckluke
auf
Der Golf-Angreifer
Der Bravo ist ein Fahrzeug der Golf-Klasse,
dem die Italiener eine entscheidende Schlüsselrolle
zur weiteren Wiedergenesung des Konzerns beimessen.
Das Fahrzeug soll die verlorene Kundschaft
im B-Segment wieder zur Marke Fiat zurückholen.
Seit März 2007 ist der Bravo auf dem
Markt, und er hat die Erwartungen der Turiner
bisher weit übertroffen. Das Design kann
als gelungen bezeichnet werden. Die Zeit des
langweiligen Designs ist bei Fiat vorbei.
Mit vielen Stil-Anleihen bei der italienischen
Edelmarke Maserati ist der neue Bravo nicht
nur optisch, sondern auch technisch voll auf
der Höhe. Dies gilt auch für seine
Praktikabilität, Fahreigenschaften und
hohem Nutzwert. Der Fiat-Chefentwickler Harald
J. Wester und sein Team haben in nur 18 Monaten
ein völlig neues Auto auf die Räder
gestellt. Und der Bravo ist das weltweit erste
Auto, das komplett am Computer entwickelt
wurde. Produziert wird der vom Centro Stile
Fiat gezeichnete Fünftürer im Werk
Cassino.
Unbestritten
ein Schönling unter den Biedermännern
Die Optik des Bravo wirkt auf den Betrachter
wie aus einem Guss und ist unbestritten ein
Schönling unter den Biedermännern
in der Kompaktklasse. Während Seiten-
und Fensterlinie deutlich nach hinten ansteigen,
fällt das Dach ab der B-Säule sanft
nach hinten ab und geht in ein rundliches
Hinterteil über. Am Heck fallen die tropfenförmigen,
roten Leuchten und die vergleichsweise kleine
Heckluke auf, durch die der Fahrer eine nur
eingeschränkte Sicht nach hinten genießen
kann. Die Gesamtlänge überragt mit
4,34 Metern die meisten Wettbewerber wie seinen
Hauptrivalen VW Golf um rund zehn Zentimeter.
Eine Stärke
des Bravo ist sein riesiges Platzangebot
Der Innenraum überzeugt mit einem guten
Platzangebot für bis zu fünf Personen,
modernem Styling und im Großen und Ganzen
guter Materialqualität. Dank des 2,60
Meter langen Radstandes gibt es ordentliche
Platzverhältnisse in den beiden Sitzreihen.
Besonders die Beinfreiheit im Fond setzt Maßstäbe.
Der Kofferraum fasst zwischen 400 und umgeklappt
1.175 Liter. Die Sitze lassen sich leider
nicht ganz flach umlegen und bilden eine kleine
Stufe im Laderaum. Beim Zurückklappen
müssen die Gurtschlösser erst wieder
aufwändig an ihren Platz fixiert werden.
Das können Wettbewerber besser. Störend
ist ferner die schmale aber sehr hohe Ladekante.
Der fehlende Griff am Kofferraumdeckel verursacht
bisweilen schmutzige Hände.
Fahrerorientiert:
Das Armaturenbrett schlägt einen sanften
Bogen um den Fahrer
Die dicken A-
und C-Säulen und das steil ansteigende
Heck des Bravo haben, wie bei so vielen anderen
neuen Autos auch, einen erheblichen Nachteil.
Die Sicht beim Rückwärtsfahren und
Spurwechsel ist erheblich eingeschränkt.
Schade, denn hier wurde Optik und Design der
Funktionalität und - was noch schwerer
wiegt - der Sicherheit untergeordnet.
Sehr gelungen
ist das Cockpit
Beim Instrumententräger sind Ähnlichkeiten
zu der Konzerntochter Alfa Romeo auffällig.
Das Armaturenbrett schlägt einen sanften
Bogen um den Fahrer herum. Tachometer und
Drehzahlmesser liegen in tiefen Rundhöhlen.
Die Mittelkonsole wird dominiert von einem
großen Multifunktionsdisplay und der
darunter befindlichen Heizungsregelung. Die
Optik sowie die Haptik der verbauten Materialien
und Oberflächen wirkt wertig und fasst
sich gut an. Weniger gut gefielen uns die
schwarzen Hartplastikeinsätze in den
Türen. Die Sportsitze sind bequem und
bieten genügend Seitenhalt. Schaltknüppel
und Sportlenkrad liegen gut in der Hand und
der Blick auf die übersichtlichen Instrumente
sind intuitiv bedienbar.
Die
Zeit des langweiligen Designs ist bei Fiat
vorbei
Motor
Das 2.0 Multijet
16V-Triebwerk erhielt gegenüber dem bisherigen
150-PS-Diesel eine Vergrößerung
des Hubraum um 46 Kubikzentimetern. Gemeinsam
mit der geänderten Motorelektronik, einer
modifizierten Einspritzanlage und stärkerem
Turbolader schafft das ein Leistungsplus von
11 kW (15 PS) auf 121 kW (165 PS) Leistung.
und die Operation ist geglückt. Herausgekommen
ist ein Top-Motor: Der Durchzug des leistungswilligen
2.0 Multijet 16V-Triebwerks - bereits aus
dem Drehzahlkeller - ist höchst eindrucksvoll.
Der Motor bringt ein maximales Drehmoment
von 360 Nm auf die Vorderachse, die damit
bei nasser oder rutschiger Fahrbahn schnell
an die Grenzen der Übertragbarkeit geführt
wird. Das Drehmoment steht bereits ab 1.750
Umdrehungen pro Minute zur Verfügung.
Der Parade-Sprint von Null auf hundert km/h
ist in 8,2 Sekunden möglich. Die Höchstgeschwindigkeit
liegt bei 215 km/h. Dennoch verhält sich
der Motor äußerst genügsam.
Im Testverbrauch lagen wir bei knapp 6 Litern
Diesel auf hundert Kilometer. Fiat gibt einen
Verbrauch im Drittelmix von 5,3 Litern Diesel
auf 100 Kilometer an. Übertragen wird
die Kraft über einen Sechsgang-Handschalter.
Die Übersetzungen sind gut gestaffelt
und präzise zu bedienen. Ein Doppelkupplungsgetriebe
und auch ein Allradantrieb würde diesem
Motor sicherlich gut zu Gesicht stehen. Beides
bietet Fiat derzeit noch nicht an. Der Hi-tech
Diesel erfüllt bereits jetzt die künftige
Euro 5 Norm und emittiert nur 139 g Kohlendioxyd
pro Kilometer.
Fahrleistungen
Seine ausgewogene
Gutmütigkeit unterstrich unser Testwagen
in allen Fahrsituationen. Nichts schien den
Frontantriebler aus der Ruhe zu bringen. Die
Lenkung ist direkt, arbeitet durchweg komfortabel
und präzise und ist stets gut beherrschbar.
Das Fahrwerk weist hinten eine aufwändige
Verbundlenkerachse auf, die gegenüber
dem Vorgängermodell Stilo erheblich straffer
ausgelegt wurde. Die Federung des Italieners
setzt dennoch vom Gesamteindruck eher auf
Komfort und empfanden wir in schnell gefahrenen
Kurven immer noch eine Spur zu weich. Beeindruckend
ist die Dämmung der Fahrwerksgeräusche:
Selbst auf schlechten Straßen mit Pflaster
sind keine Polter- oder Klappergeräusche
zu vernehmen.
Verbrauchsarmer
Top-Diesel mit bärenstarkem Durchzug:
Der 2.0 Multijet 16V mit 165PS
Ab 25.100
Euro
Der Basispreis des Bravo Sport 2.0 Multijet
16V liegt bei 25.100 Euro. Um die Sportlichkeit
zu unterstreichen, wird der Fiat Bravo 2.0
Multijet 16V ausschliesslich in den Ausstattungslinien
"Sport" und "Sport Plus"
angeboten. Serienmäßig im Sportpaket
enthalten sind ferner eine manuelle Klimaanlage,
Lederlenkrad, 17-Zoll-Alufelgen, Sportsitze
und ein strafferes Fahrwerk. Optionales Sonderzubehör
wie das Soundsystem sind ab 160 Euro Aufpreis
erhältlich. Das Navigationssystem (ab
700 Euro), Sitzheizung (180 Euro), Klimaautomatik
(400 Euro), Xenonlicht (680 Euro), aktive
Kopfstützen (120 Euro), Gurtstraffer
hinten (50 Euro) und ein Licht-/Regensensor
kosten 220 Euro Aufpreis. Neben ABS, Bremsassistent
und ESP gehört auch ein Hill-Holder zum
Paket der elektronischen Fahrhilfen. Er verhindert,
dass der Bravo beim Anfahren am Berg sofort
zurück rollt, wenn der Fuß von
der Bremse genommen wird.
Drehmoment
satt: 360 Nm
Technische
Daten Fiat Bravo sport 2.0 MJT 16V
Hersteller:
Fiat
Karosserie:
Fünftürig
Motor:
Diesel 2.0 Multijet 16
V
Hubraum:
1956
ccm
Leistung:
121
kW (165 PS)
Drehmoment:
360
Nm/ab 1750 UPM
Von
0 auf 100: Handschalter/PDK
8,2
s
Höchstgeschwindigkeit:
215
km/h
Verbrauch
(ECE) mit PDK
5,3
Liter
CO2-Ausstoß
PDK
139
g/km
Kraftstoff:
Diesel
Schadstoffklasse
Euro
5
Gesamtgewicht
1.870
kg
Zuladung
435
kg
Preis
brutto:
ab
25.100 Euro,- Euro
Fazit
Schicke Schale,
viel Platz, moderner und sehr sportlicher
Motor. Der Fiat Bravo mit dem leistungsstarken
Multijet-Selbstzünder leistet sich nur
wenige Schwächen macht in unserem Test
eine gute Figur. Insbesondere die Verarbeitungsqualität
und weigehende Freiheit von Mängeln sowie
das grosse Platzanagebot haben uns positiv
überrascht und durchaus beeindruckt.
Das kannte man so von Fiat schon lange nicht
mehr. Es ist den Italienern zu wünschen,
dass der Erfolgsfunke des überaus erfolgreichen
Fiat 500 auch auf den Bravo überpringt.
Verdient hätte er es allemal. Große
Schwächen weist der Bravo nicht auf.
Allenfalls schlechte Kompromisse wie eine
zu hohe Ladekante oder die sehr schlechte
Sicht nach hinten. Der Bravo ist damit zwar
nicht perfekt, aber ein kompakter mit Charakter.