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ReifenNews
Die EU führt im November ein neues Label für Autoreifen ein
Mithilfe des Labels soll der Reifenkauf einfacher werden

  • Europäischen Verordnung 1222/2009
  • Label berücksichtigt nur nur drei von über 50 Leistungsparametern
  • Kennzeichnungspflicht ab 11/2012
  • Für Winterreifen bietet das Label keine Orientierung
 


Quelle: European Comission´s SEC (2008)2860 - Rollwiderstand und Reduktiopn von CO2 Emissionen

Drei Kriterien: Rollwiderstand, Nasshaftung und Geräuschemission

Ab dem 1. November müssen fabrikneue Reifen für Pkw und Nutzfahrzeuge mit dem EU-Label gekennzeichnet werden, dessen Aufmachung an die Energieeffizienzlabel für Elektrogeräte erinnert. Die meisten sind jetzt schon damit versehen.

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Ein buntes Reifen-Label informiert über drei wichtige Kriterien

Ab November müssen EU-weit alle angebotenen Reifen nach einem standardisierten System gekennzeichnet sein. Ähnlich dem bekannten Energieeffizienz-Label für weiße Ware wie Kühlschränke oder Waschmaschinen soll dies dem Konsumenten mehr Orientierung hinsichtlich Effizienz (Rollwiderstand) , Geräuschemissionen (Außengeräusch) und Sicherheitsaspekte (Haftung bei Nässe) ermöglichen. Die Kennzeichnung der einzelnen Kriterien soll dazu führen, dass sich Reifenkäufer für kraftstoffeffizientere und sicherere Reifen mit geringerer Lärmentwicklung entscheiden. Die Reifenhersteller werden somit gezwungen ab 1. November 2012 den Kraftstoffverbrauch, die Nasshaftung und die Geräuschklassifizierung des Produktes anhand eines Aufklebers oder eines Etiketts - im Verkauf wie auch Werbematerialien - anzugeben. Diese Initiative ist Teil des Aktionsplans für Energieeffizienz, der die Energieleistung von Produkten, Gebäuden und Dienstleistungen verbessern soll, um den Energieverbrauch in der EU bis 2020 um 20 % zu reduzieren. Allerdings sagt das Label nichts über die Wintereigenschaften eines Reifens aus.

Kennzeichnungspflicht

Von der neuen Verordnung betroffen sind alle nach dem 1. Juli produzierten Reifen der Kategorien C1 (Pkw), C2 (Leichttransporter) und C3 (Lkw).

Das Reifenlabel gilt generell für Pkw-Reifen, Transporterreifen und LKW-Reifen. Ausgeschlossen von der Regelung sind runderneuerte Reifen, Geländereifen für den gewerblichen Einsatz, Rennreifen, Reifen mit Zusatzvorrichtungen zur Verbesserung der Traktion, z.B. Spikes, Notrad-Reifen, Old- und Youngtimer-Reifen (für Fahrzeugen mit EZL vor 01.10.1990), Reifen für Höchstgeschwindigkeiten unter 80 km/h, Reifen mit einem Innendurchmesser kleiner ist als 254 mm oder größer als 635 mm und Motorradreifen.


Wichtige erste Orientierungshilfe - nicht mehr und nicht weniger

"Das Label bietet dem Verbraucher eine wichtige erste Orientierungshilfe, da er nachvollziehbare und unabhängige Informationen darüber erhält, wie sparsam, sicher und leise ein Reifen ist", sagte Rainer Landwehr, Geschäftsführer von Goodyear Dunlop DACH (Deutschland, Österreich, Schweiz). "Die Verlässlichkeit spielt hierbei eine große Rolle, weshalb effiziente Kontrollen seitens des Staates und seiner Behörden notwendig sind."


Das neue EU-Reifenlabel

Die Reifenhersteller führen die Labeltests selbst nach Vorgaben der europäischen Verordnung 1222/2009 durch. Die nationalen Behörden haben die Aufgabe, die korrekte Umsetzung zu überwachen, in Deutschland machen dies die Bundesländer. "Es sind aber vorab keine eigenen Tests zur Überprüfung geplant, die Kontrolle erfolgt vielmehr durch Plausibilitätsprüfungen", sagte Helmut Kraft vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie. Dazu würden auch Testergebnisse einschlägiger Institutionen wie z. B. dem ADAC genutzt, um eventuelle Diskrepanzen mit Labelwerten der Hersteller herauszufinden. "Sollten falsche Labelwerte nachgewiesen werden, dann kann im Einzelfall die Verhängung eines Verkaufsstopps erfolgen sowie Bußgelder bis zu 50.000 Euro verhängt werden."


Quelle: Continental - Die drei Kriterien des EU-Reifenlabels

Beim Winterreifenkauf keine Orientierung

Das neue EU-Reifenlabel bietet Autobesitzern beim Winterreifenkauf keine Orientierung. Darauf weist der Auto Club Europa (ACE) hin. "Das Label gibt keine Auskunft über das Leistungsvermögen, das ausschlaggebend ist für gute Winterreifen, wie etwa den Grip auf Schnee und Eis", kritisiert ACE-Sprecher Rainer Hillgärtner. Auf dem Etikett werden der Rollwiderstand, der sich auf den Spritverbrauch auswirkt, und die Nassbremseigenschaften mit den Noten A für sehr gut bis G für sehr schlecht bewertet. Außerdem gibt es Angaben zur Intensität der Abrollgeräusche. Die Bewertung des Rollwiderstands auf dem Label könnte Verbraucher bei der Wahl neuer Winterreifen sogar irritieren, da Winterreifen für den Einsatz bei Kälte eine weichere Gummimischung haben als Sommerreifen, weshalb ihr Rollwiderstand zwangsläufig höher ist. Die Top-Noten "A" und "B" könnten Winterreifen deshalb in dieser Kategorie gar nicht bekommen. Ein Winterreifen mit der Bewertung "C" oder schlechter beim Rollwiderstand könnte folglich trotzdem ein sehr guter Pneu für die kalte Jahreszeit sein. "Aufgrund der Testmethodik kann man die Labelwerte von Sommer- und Winterreifen nicht direkt miteinander vergleichen", sagte Klaus Baltruschat vom TÜV Süd. "Während der Sommerpneu sich in einem für seine Leistung fast optimalen Bereich bewegt, liegt der Winterreifen eher darunter und kann deshalb seine volle Leistungsfähigkeit nicht entfalten."


Quelle: Continental - Bremsklassen

Rollwiderstand und Nasshaftung

Symbolisiert werden diese Kriterien durch eine Zapfsäule, eine Regenwolke sowie durch einen Lautsprecher mit Schallwellen. Die Angaben für den Rollwiderstand sowie die Nasshaftung erfolgen in Klassen. Eine Schallwelle steht für einen sehr leisen Reifen, drei Wellen bedeuten ein lautes Abrollgeräusch. Die Angaben für den Rollwiderstand sowie die Nasshaftung erfolgen in Klassen und reichen von A für sehr gut bis G für sehr schlecht. Beim Rollwiderstand ist bei Pkw eine Kraftstoffersparnis von 7,5 Prozent von A-Reifen gegenüber G-Reifen möglich. Beim Nassbremsen kann der Bremsweg zwischen A und G um bis zu 18 Meter kürzer sein. Die Testmethoden für das Label sind von der Europäischen Union vorgegeben. Dabei gelten für den Nassbremstest für Sommer- und Winterreifen unterschiedliche Temperaturbereiche.


Die Testmethoden für die Beurteilung der drei Kriterien sind von der EU vorgeschrieben und für jeden Reifen gleich und bereist Bestandteil der Leistungsparameter vieler Reifenhersteller. Bei Goodyear Dunlop wird dies bereits während eines 50 Punkte umfassenden umfassenden Testprogramms für jeden neuen Reifen auswertet. "Das Label sagt aber nichts über das Leistungspotenzial eines Winterreifens aus, da die Labelkriterien keine typischen Wintereigenschaften abbilden", sagte Bernd Löwenhaupt, Entwicklungsdirektor bei Goodyear Dunlop. Über die Hälfte des Rollwiderstandes eines Winterreifens verursacht der Laufflächen- und Seitenwandbereich des Winterpneus. Deren besondere Profilhöhe der Lamellen und Mischung sind für gutes Lenkverhalten, Traktion, Handling und Lenkstabilität bei winterlichen Bedingungen notwendig. "Unser Entwicklungsziel bleibt weiterhin, einen ausgewogenen Reifen mit guten Leistungen in allen wichtigen Bereichen zu entwickeln", sagte Löwenhaupt. "Die Wintereigenschaften des Dunlop Winter Sport 4D sind um rund 23 Prozent besser als die seines Vorgängers vor über 20 Jahren, gleichzeitig konnten auch der Rollwiderstand um 23 Prozent und das Außengeräusch um 79 Prozent verbessert werden."

Es gibt viele weitere Leistungsfaktoren, welche ein Reifenkäufer bei der Anschaffung beachten sollte. Zum Beispiel sind dies u. a.

- Nässe- und Aquaplaningeigenschaften
- Bremseigenschaften
- Lebensdauer
- Fahrstabilität
- Präzision der Lenkung
- Verhalten bei winterlichen Bedingungen

 

Kann nur ein erster Orientierungspunkt sein

Die Bewertungen werden meist von der Reifenindustrie selbst bewertet. In ganz Europa gibt es darüber hinaus nur drei unabhängige Testorganisationen. Stichprobenartige Überprüfungen seitens der Bundesländer und die Selbstverpflichtung der Industrie sowie des Handels sollen in Deutschland gewährleisten, dass die Label-einstufungen den tatsächlichen Reifeneigenschaften entsprechen. Ein weiterer Schwachpunkt des neuen EU-Labels ist dessen Aussagekraft zu der Qualität von Reifen über die drei Dimensionen hinaus. Zwar informieren Rollwiderstand und Nassbremsen über wichtige Faktoren wie Umweltverträglichkeit und Sicherheit. Weitere bedeutsame Reifen-Aspekte wie beispielsweise Handling auf nasser und trockener Fahrbahn, Bremsweg auf trockener Fahrbahn oder Aquaplaning-Verhalten werden vom neuen EU-Reifenlabel nicht berücksichtigt. Dies muss dem Kunden bewusst sein, so dass er auch weiterhin nicht ganz auf Reifentests der Automobilclubs sowie der einschlägigen Fachzeitschriften wird verzichten können. Auch eine gute Beratung im Fachhandel wird sich weiterhin auszahlen.

 


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Weitere Informationen (Deutscher Text der EU-Verordnung 1222/2009) unter:

www.eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=OJ:L:2009:342:0046:0058:DE:PDF


 



Kommt die Winterreifenpflicht? Ansturm auf die Wintergummis zu erwarten..


 



Nach dem Gerichtsurteil zur Winterreifenpflicht 22. September 2010: Winterreifen bringen laut dem TÜV Süd ein unverzichtbares Sicherheitsplus...


 

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