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Staatsoper Hannover
Die Entführung aus dem Serail
Singspiel von Wolfgang Amadeus Mozart

  • Singspiel in drei Aufzügen (1782)
  • Text von Gottlieb Stephanie d.J.
  • Premiere am 2. Oktober 2010
 

 

 


"Ein gewisser Mensch, Namens Mozart, in Wien hat sich erdreistet, mein Drama Belmonte und Constanze zu einem Operntexte zu missbrauchen."



Der deutsche Librettist Christian Friedrich Bretzner sah 1782 sein jüngstes Singspiel verstümmelt und protestierte aufs Heftigste gegen die Wiener Bearbeitung. In Österreich laborierte derweil der junge Komponist namens Mozart unbekümmert weiter am eher mittelmäßigen Text Bretzners und versuchte, diesen für die eigenen Vorstellungen seines Singspiels Die Entführung aus dem Serail umzuformen. Es ist eine Umbruchszeit im Leben Mozarts, die Zeit der Loslösung vom Elternhaus, die Zeit unabhängiger Schritte, auch im künstlerischen Bereich. Ein neues Selbstbewusstsein bricht sich Bahn, der 26-jährige Komponist greift immer wieder in die Textgestaltung ein, ja er diktiert seinem Librettisten Gottlieb Stephanie d. J. die Worte bisweilen buchstäblich in die Feder. Etliche Arien erfand Mozart neu, die Figur des Osmin wertete er musikalisch auf, und – spätestens hier hörte für Bretzner jegliches Verständnis auf – der Wiener Komponist interessierte sich nur am Rand für das eigentliche Herz des Singspiels. Die turbulente Szene der Entführung, die bei Bretzner und dessen Komponisten Johann André zu den musikalisch gewichtigsten Nummern gehört, wird von Mozart überhaupt nicht vertont. Mozart hingegen verlegt die äußere dramatische Aktion ins Innere. In einem großen Quartett bricht er die vermeintlich eindeutigen Konstellationen Belmonte–Konstanze und Pedrillo–Blonde auf und stellt die Fragilität von Beziehungen ins Zentrum seines Singspiels: Die Liebenden sind sich fremd geworden, Eifersucht und Zweifel haben die vormals sicheren Gefühle erschüttert.


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Von der ersten Arie an steuert Mozarts Entführung weniger stringent auf einen dramatischen Höhepunkt zu, sondern bewegt sich eher kreisend um ihr Zentrum: die Liebe in unterschiedlichsten Variationen. Die Fremde, das exotische Serail, wird dabei zum Spiegel und zur Projektionsfläche für uneingestandene Wünsche, Träume und Albträume. Denn eine Figur wie Osmin erscheint in ihrer Maßlosigkeit – seien es Wutausbrüche oder Gewaltfantasien – von faszinierender und auch erotisierender Andersartigkeit. Alle Figuren verwirren sich zunehmend in den Vorstellungen der unmöglich erscheinenden Beziehungen Bassa–Konstanze und Osmin–Blonde. Doch anders als in den späteren Ensembleopern Mozarts kulminieren diese Verstrickungen weniger in musikalischer Kommunikation miteinander. In der Entführung stehen immer wieder die einsamen Soloaussprachen im Vordergrund: Traurigkeit und Schmerz in den großen Konstanze-Arien, träumerische Sehnsucht bei Belmonte, und selbst im großen Quartett bleibt jeder mit seinen Gedanken über weite Strecken allein. Zum wichtigen und ebenbürtigen Partner der Bühne erklärt Mozart das Orchester, das vor allem durch einen aufgewerteten Bläsersatz in einen neuartigen Dialog mit den Figuren tritt. Hier entstehen klingende Seelenräume für die sich selbst und den anderen fremd gewordenen Liebenden.


 

 

Regieteam

Musikalische Leitung Ivan Repušic'
Inszenierung Ingo Kerkhof
Bühne Anne Neuser
Kostüme Stephan von Wedel
Licht Elana Siberski
Chor Dan Ratiu
Dramaturgie Dorothea Hartmann
Abendspielleitung Charles Ebert / Tobias Ribitzki
Orchester Orchester
Chor Chor

Besetzung

Bassa Selim Nicole Coulibaly
Konstanze Nicole Chevalier / Dorothea Maria Marx
Blonde Ania Vegry / Hinako Yoshikawa
Belmonte Philipp Heo / Sung-Keun Park
Pedrillo Jörn Eichler / Ivan Turšic'
Osmin Shavleg Armasi / Albert Pesendorfer

 


Staatsoper Hannover - Die Entführung aus dem Serail
WO: Oper Hannover - Opernplatz 1
Ticket Telefonischer Kartenverkauf
Telefon (0511) 9999-1111

Kassenöffnungszeiten: Mo bis Fr: 10 - 19.30 Uhr
Sa: 10 - 14 Uhr (Opernhaus 10 - 18 Uhr)
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29.06. Mi 19:30
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Weitere Infos:
www.oper-hannover.de


 


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